Fernsehen: DVB-T2 ersetzt DVB-T – das sollten Sie wissen

„Millionen sehen schwarz“, schreibt focus.de. Und die Frankfurter Rundschau (FR) titelt: „Hohe Kosten und viel Schrott.“ Ursache der Aufregung ist nicht weniger als der Komplettumbau des Antennen-Fernsehens in Deutschland: Der vor gerade mal 13 Jahren gestartete Standard DVB-T wird schon wieder abgeschafft und durch „DVB-T2“ ersetzt. Klingt ähnlich, ist es aber nicht. Genau das ist die Crux!

Sie erinnern sich vielleicht noch: Anfang der Nuller-Jahre mussten wir alle, die wir über Antenne fernsahen, neue Empfangsgeräte kaufen – so genannte DVB-T-Boxen. Gut 200 Euro zahlte man damals für die Kästchen in der Größe eines halben Pizzakartons. Und ganz bald sind sie jetzt wieder Elektroschrott.

 Denn DVB-T2 erfordert komplett neue Boxen. Aufrüsten kann man die alten ohne Elektrotechnik-Studium nicht.

Nun war der bisherige Standard ohnehin nie für die Ewigkeit gedachte, sondern sollte bis 2020 dem „Zweier“ weichen. Dass es nun viel schneller geht, hat zwei Gründe:

1.)  DVB-T2 übermittelt die Daten auf eine effizientere Art und nutzt eine neue Videokodierung (für Experten: HEVC, auch H.265 genannt). Das zusammen ermöglicht bessere Bildqualität, nämlich hochauflösendes „HDTV“, bietet Platz für mehr Kanäle und verbessert den mobilen Empfang – zum Beispiel via Tablet. Und es gibt starke Lobbygruppen, die sich über den Umstieg ein Verkaufsplus für entsprechende Geräte verheißen.

2.)  ... und das ist der wichtigere Grund: Die Bundesregierung will deutschlandweit den Ausbau von schnellem Internet forcieren. Der Zusammenhang mit Antennen-TV ist etwas kompliziert. Aber um das superschnelle Breitband-Internet auch im hintersten Winkel der Nation anzubieten, braucht es weitere Funkfrequenzen. Die dafür geeigneten sind zurzeit von DVB-T belegt. Weiterer Vorteil für die Regierung: Sie kann die Nutzungsrechte besagter Frequenzen neu versteigern, was dem Staatssäckel Milliarden einbringen dürfte. Diese sollen – zumindest das ist eine aus Verbrauchersicht gute Nachricht – in den Breitbandausbau fließen.

Entsprechend schnell soll nach dem Start von DVB-T2 auch der bisherige Standard abgeschaltet werden. Spätestens 2017 dürfte dies der Fall sein.

300 Millionen Euro Extrakosten für die Verbraucher 

Was dem Staat viel einbringt, kostet die Verbraucher allerdings Millionen: Immerhin nutzen in Deutschland noch 7,4 Millionen Haushalte Antennen-Fernsehen, mehr als die Hälfte davon per DVB-T. Sie alle brauchen nun neue Empfangsgeräte. „Wir rechnen mit Kosten von mindestens 300 Millionen Euro für die Verbraucher“, sagte die Grünen-Politikerin Tabea Rößner in der FR.

So einig sich die meisten Experten sind, dass DVB-T keine Dauerlösung ist (in Südbayern und München etwa kann man schon seit Ende 2013 kein RTL mehr via Antenne gucken, da sich die Sendergruppe aus der Verbreitung zurückgezogen hat), so sehr monieren Kritiker, wie schnell und abrupt der Ausstieg nun erfolgt.

Was TV-Nutzer nun tun sollten

Denn für Verbraucher ist der Umstieg auf DVB-T2 alles andere als einfach: Elektromärkte führen zwar erste Geräte für den neuen Empfangsstandard, doch sind diese vielfach nicht mehr für DVB-T geeignet. Sprich: Jetzt schon umzusteigen, bringt wenig – weil man dann vorerst gar nichts sieht. Und die wenigen Apparate, die den parallelen Empfang ermöglichen, wie einzelne Ultra-HD-tüchtige Fernseher, sind sehr, sehr teuer.

Wäre es bei den ursprünglichen Plänen der Politik geblieben und die neue Technik schrittweise und zunächst ergänzend zu DVB-T eingeführt worden, hätten Gerätehersteller viel eher Lösungen für den parallelen Empfang beider Standards geschaffen. Wahrscheinlich wäre dann auch die Umrüstung für Verbraucher günstiger geworden, da sie mehr Zeit gehabt hätten. Das kann man am Preisverfall der DVB-T-Geräte nachzeichnen: Mitte der Nuller-Jahre kosteten viele Boxen noch bis zu 200 Euro, heute bekommt man sie für 30.

Die Lösung für Verbraucher heißt: erst einmal abwarten. Auf keinen Fall sollten Sie jetzt noch in DVB-T-Technik investieren. Planen Sie, einen neuen Fernseher anzuschaffen, warten Sie besser noch ein Jahr. Schon im Sommer 2016 soll DVB-T2 in den wichtigsten Ballungszentren starten – so zumindest der Zeitplan der Koalition. Denn sie möchte mit dem dann stattfindenden TV-Großereignis Fußball-EM die Verbreitung fördern. Die Chance wird sich der Handel nicht entgehen lassen, und daher wird es bis dahin genügend Endgeräte geben – sowohl bei Decoderboxen, als auch bei Fernsehern und Tablets.

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