Schnelle Zeit, langsame Zeit

„Die Zeit rast nur so dahin“. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich mich als Kind immer nur über diesen Satz der Erwachsenen um mich herum wundern konnte. Die Zeit bis zum nächsten Sommerurlaub, dem nächsten Weihnachtsfest oder meinem nächsten Geburtstag schien mir immer unglaublich lang zu sein - gefühlt „kroch“ die Zeit eher als dass sie „raste". Heute dagegen erwische ich mich selbst ständig bei Gedanken wie, „Die Hochzeit von soundsos ist schon fünf Jahre her?", „Schon wieder Sommerfest?" und „Habe ich nicht gerade erst die Belege für die letzte Steuererklärung zusammengesucht?".

Die Zeit scheint mit zunehmendem Alter gefühlt schneller zu verstreichen. Ist ja irgendwie auch recht logisch, wenn man fünf ist, stellt das vergangene Jahr ein Fünftel der eigenen Lebenszeit dar, wohingegen ist man 60, es nur noch ein Sechzigstel darstellt. Das würde bedeuten, dass mit zunehmendem Alter die Zeit gefühlt immer schneller vergeht, mit 10 schneller als mit 5 und mit 70 schneller als mit 50.

Ganz so geradlinig scheint es jedoch nicht zu sein. Eine Studie ergab nämlich, dass Menschen über 60 im Vergleich zu Menschen von 20 bis 59 nicht mehr so stark das Gefühl haben, die Zeit renne nur so dahin. In dem Buch „Gefühlte Zeit“ bringt Marc Wittmann vom Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene in Freiburg dem Leser diesen und weitere Befunde aus der Forschung zur Erklärung des Phänomens der rasenden Zeit nahe. Dem Autor nach wird die Zeitwahrnehmung maßgeblich durch das Gedächtnis beeinflusst. Entscheidend für die Geschwindigkeit der Jahre ist dabei die Anzahl und Intensität von Erlebnissen: Viele neue, aufregende Erlebnisse sorgen für reiche Erinnerungen - die Zeit dehnt sich gefühlt aus. Ein eintöniger Alltag hingegen komprimiert die gefühlte Zeit.

Unser Leben ist in den frühen Jahren reich an Erlebnissen, die für uns ein „erstes Mal“ darstellen. Der erste Schultag, die erste Party, das erste Mal verliebt sein, der erste Urlaub ohne die Eltern, die erste eigene Wohnung usw.. Zwanzig Jahre zur gleichen Zeit aufstehen, in das gleiche Büro gehen und abends in das gleiche Zuhause zurückkehren - da vergeht die Zeit wie im Flug. Die späteren Jahre, in denen die Kinder aus dem Haus sind und das Berufsleben hinter einem liegt, bieten wieder Raum für Neues und Abwechslung und damit für die Verlangsamung der gefühlten Zeit.

Es lohnt sich also, in dieser Phase etwas ganz neues zu wagen. Das jüngst erschienene Buch "Nie zu alt für Easy Rider - Als Pensionist aufs Motorrad umsatteln“ von Udo Schmidt illustriert beispielhaft, wie das aussehen kann. Der Autor hat nach seiner Pensionierung als Lehrer mit 67 den Motorradführerschein gemacht und wie er in einem Interview sagt, begann damit die aufregendste Zeit in seinem Leben. Udo Schmidt erlernte mit dem Motorradfahren nicht nur ein neues Hobby, mit dem Einstieg in die Motorradszene knüpfte er auch viele neue Kontakte und war dabei sogar gezwungen, alte Vorurteile zu revidieren - früher hielt er Biker für „Bankräuber, Technikfreaks oder ungebildete Rüpel".

Unbekanntes Terrain zu erschließen kostet jedoch immer auch eine gewisse Überwindung. Leichter geht es, wenn man sich mit einem gleichgesinnten Experimentierfreudigen zusammen tut. Udo Schmidt wurde von seinem Sohn und seiner Frau, die ihn heute bei seinen Ausflügen auf dem Bike als Sozia begleitet, in seinem Vorhaben unterstützt bzw. dazu überredet. Doch nicht immer hat man jemanden, der die Neugierde aufs Motorradfahren, Segeln oder Tanzen teilt, im direkten Umfeld. Im Gegenteil, manchmal stößt man mit seinen Vorhaben gar auf reges Unverständnis aus der Umgebung. Wie Udo Schmidt in einem Interview berichtete, erntete er Reaktionen aus der Nachbarschaft wie: „Der spinnt doch, der kann nicht alt werden, der hat ein Problem."

Eine hervorragende Möglichkeit, sich mit Gleichgesinnten jenseits des unmittelbaren Umfelds zu vernetzen bieten soziale Netzwerke im Internet. Portale wie Seniorbook (140.00 Mitglieder), Platinnetz (125.000 Mitglieder) oder Feierabend.de (175.000 Mitglieder) verfolgen das Ziel, lebenserfahrene Menschen mit ähnlichen Interessen zusammenzubringen. Ganz zentral ist hierbei ein zeitgemäßes Altersbild ohne Klischees wie der Geschäftsführer Thomas Bild von Seniorbook wissen lässt, „Wir haben uns zwei Aspekte explizit nicht auf die Fahne geschrieben: Kontaktbörse und Haustiere“.

Wenn Sie also auf der Suche nach Verbündeten für neue Vorhaben oder einfach nach neuen Kontakten sind, schauen Sie sich doch mal in den sozialen Netzwerken um. Denn Kontakte, die dort virtuell geknüpft werden, leben in den meisten Fällen in der analogen Welt fort: Lokale Gruppen in verschiedenen Städten sind integraler Bestandteil auf den genannten Portalen. Nähere Informationen finden Sie auf den Portalseiten selbst - einen Überblick bietet Ihnen die Stiftung Warentest, die sich die Portale näher angeschaut hat.

Wer weiß, vielleicht geben Sie ja auch demnächst als „Easy Rider“ Gas oder beginnen ein anderes Abenteuer, durch welches Ihre Zeit verlangsamt.

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